Mittwoch, 9. Januar 2008

10...9... 8... 7... 6... usw.

Oh, es gibt ja wieder Anlass zu bloggen... Meine Güte, ist das ungewohnt alles... Eine halbe Stunde habe ich allein schon gebraucht, um den Laptop aufzuklappen. Na ja.

Apropos "klappen": Ich hoffe, mit meiner bevorstehenden Operation wird alles klappen. Für alle, die erst jetzt eingeschaltet haben: man wird mir Metastasen aus dem linken Lungenflügel operieren. Nervös bin ich und ängstlich und doch auch ein wenig froh, dass es jetzt wieder voran geht. Keine Ahnung, was mich erwartet, wie die Klinik sein wird und wie scheiße es mir bald schon geht. Ich werde bericht erstatten (lassen). Das in Klammern geschriebene Wort kommt zum Tragen, falls es dort keine Internet gibt, in dieser Spezialklinik, die ich ab morgen bzw. heute bewohnen werde.

So, dabei will es zunächst belassen. Es ist spät und morgen muss ich früh raus.

Denn: Der Countdown läuft. Man reiche mir eine Fanfare, damit ich eine glorreiche Melodie spielen kann. Und dann drücke man mir die Daumen. Tätärätääää.

Montag, 24. Dezember 2007

To save me from tears

Peter kann an Weihnachten nicht klagen
und zieht Veronika zu sich heran.
Er will sie heut', an Weihnachten, nicht schlagen.
Sie sehen sich ein Wrestling-Video an.

Der Herrgott macht sich fein, mit viel Pomade.
Jesus ärgert seinen alten Herrn.
Buddha wünscht sich heimlich Schokolade.
Mohammed mag Glühwein viel zu gern.

Und mir, mir ist ganz wunderlich zumute,
von Lebkuchen und 'Wham!' völlig verklebt.
Euch da draußen alles, alles Gute!
Frohes Fest! Auf dass ihr's überlebt.

Sonntag, 23. Dezember 2007

Put the lights on the tree

Man stelle sich vor, man wäre so eine Art Auslandskorrespondent. Man habe die Aufgabe, regelmäßig über aktuelle Entwicklungen aus... sagen wir mal... Island zu berichten. Und dann: passiert einfach nichts, absolut nichts, über Wochen und Monate hinweg! Ziemlich doof stünde man dann da. Sicher, das Beispiel ist ziemlich herbeikonstruiert. Schließlich weiß ja jeder, dass in Island der Bär steppt. Leider ist mir nur kein besseres Bild eingefallen, um zu verdeutlichen, wie es mir gerade ergeht. Es ist nichts los im Staate Hodenkrebs.

Ich sollte mich nun freuen und mein Blog mit Vergnügen veröden lassen. Nur leider ist es ja nun auch nicht so, dass ich bereits alles hinter mir hätte. Ich hänge bloß in der Luft, kann nichts neues beginnen und muss einfach abwarten, bis es dann im nächsten Jahr mal weitergeht. Die freie Zeit, über die ich mich zunächst so gefreut hatte, kann ich nicht genießen, weil ich im Grunde doch gar keine freie Zeit haben möchte. Erfüllte Zeit möchte ich haben, randvoll mit guten, normalen Dingen. Jetzt, bei diesem erzwungenen Herumgehänge merke ich nur umso deutlicher, wie sehr es mich aus der Welt katapultiert hat. Ich stehe am Rand, könnte man sagen. Oder besser: ich schwebe in einem anderen Universum.

Womit ich den Leser auch schon wieder herauskatapultieren möchte aus diesen düsteren Gedankengängen. Es ist schließlich bald Weihnachten. Dies ist auch der Grund, warum ich diesen Eintrag nicht wie üblich aus dem Chaosgebirge meiner Wohnung in die Welt sende. Nein, seit heute bin ich bei meinen Eltern, wo sogar die Luft schön eingerichtet ist, mit angenehmen Düften. Die Luft zu Hause ist da eher ziemlich verwüstet.

Wüst ist auch mein Hirn dieser Tage. Wüst und leer, wie die Welt, bevor Gott sie bevölkerte. Vielleicht denkt ja der ein oder andere mal an den alten Herrn dieser Tage. Ich hingegen werde zu vollgestopft mit Atheismus und allerlei Fettigem sein. Bis bald dann!

Schnell macht sich der Protagonist aus dem Staub, um sich hinter dem nächsten Gebüsch für diesen Eintrag zu schämen. Er überlegt kurz, dann rennt er noch einmal zum PC zurück und tippt ein:

P.S. Morgen gibt's als kleines Geschenk für die treuen Leser ein Weihnachtsgedicht von mir.

Und wieder macht er sich aus dem Staub...

Dieser gefallsüchtige Schleimer...

Montag, 17. Dezember 2007

Ideenknallfrosch

Aaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh. Sorry, dass ich hier so herumbrülle, aber ich bin ja so wahnsinnig aufgedreht... Das kommt eben davon, wenn man den ganzen Tag nur Energydrinks säuft und die daraus gewonnene Energy nicht mit Activities, äh, Aktivitäten abbaut. Nee, nee, aktiv war ich wirklich nicht. Nur auf der Couch herumgehangen habe ich. Filme geglotzt und nichts weiter. Könnte mein Ich von vor ein paar Wochen, das im Krankenhaus darbt und so gerne über grüne Wiesen tollte, mich jetzt sehen... es würde mich sicher durch die unaufgeräumte Wohnung prügeln, wäre es nicht viel zu schwach für soetwas.

Leider könnte ich dann auch nicht zu meiner Verteidigung anbringen, dass ich ja immerhin fleißig mein Blog führe. Auch hier kann ich nicht produktiver tätig sein, wo ich doch nichts erlebe dieser Tage. Wie die Überschrift schon verhieß: das erhoffte Ideenfeuerwerk bleibt aus.

Vielleicht jedoch wird das ab morgen alles anders... Vielleicht ist morgen der Beginn eines rastlosen Abenteurerlebens... Und ich fange damit an, indem ich...

...ohne Winterjacke vor die Türe gehe!

Freitag, 14. Dezember 2007

Ta-Dah!

Hey, wow, hier bin ich ja schon wieder! Wie gehe ich denn ab, plötzlich?!

Also, es ist nämlich so: ich komme gerade aus dem Badezimmer, das ja ein wahnsinnig toller Ort zum Grübeln und Sinnieren ist. Und eben bei jenen Tätigkeiten fiel mir doch siedend heiß ein, dass ich bei meinem letzten Eintrag ein Paar (sic!) Informationen schuldig geblieben bin. Nämlich: 1. wo bin ich eigentlich gerade? und 2. wann werden eigentlich diese ominösen Operationen getätigt?

Da können nur knallharte Fakten, Fakten, Fakten Abhilfe schaffen. Also: ich bin gerade zu Hause. Falls mich also jemande besuchen möchte: ich wohne in dem gelben Haus in der Nähe von dem einen Kaisers-Supermarkt.

Zweitens: ich muss erst am 9. Januar wieder ins Krankenhaus. Bis darf ich leben wie! es! normale! Menschen! tun! Mich vollstopfen (--> Weihnachten)! Abstürzen (-->Silvester)! Nehmt eine Pinsel und... na ja, ich wisst ja...

So, das soll es dann auch gewesen sein für heute. Ich bin nämlich fürchterlich müde und würde es doch gerne verhindern, dass ich über der Tastatur einpennjsklddkvnm, f bjnfknvvvvvvdbbbxyvlkö.-n,vn,mxnvyhd<.cm, xcmbvx.bncvmn,vmc,n mncjkshdsha

Montag, 10. Dezember 2007

Ich - wie es wirklich war

"So, hier bin ich wieder..." - Mit diesem unverfänglichen Satz würde ich gerne wieder ins Bloggen einsteigen, nachdem ich einige Zeit nichts geschrieben habe. Schließlich fühlte sich diese Zeit für mich wahnsinnig kurz an; nach kaum mehr als einem kurzen Blinzeln. Leider weiß ich aber auch, dass es eine gefühlte Ewigkeit gewesen sein muss für diejenigen, die mich hier schon einige Zeit begleiten und sich sicher um mich gesorgt haben. Diesen lieben Menschen will ich sagen, dass es mir leid tut. Ab jetzt schreibe ich wieder regelmäßig. Sonst möge mir der Himmel auf den Kopf fallen.

Nun gut, wir ihr sicher schon festgestellt habt, bin ich noch am Leben. Auch wenn dieses Leben in der letzten Zeit zu einem großen Teil kein schönes gewesen ist. Leider hat die Chemo, die verdammte, strapaziöse Chemo, nicht richtig angeschlagen. Zwar sind alle Metastasen bis auf eine, zum Stillstand gekommen. Verkleinert hat sich jedoch nichts. Genau das hat man allerdings erwartet. Erhofft. Diese Hoffnung ist zerplatzt.

Nun hat man für mich entschieden, dass die ganze Sache operativ gekärt werden soll. Und hier nimmt mein bis jetzt so deprimierender Comeback-Eintrag eine Wendung zum besseren. Vor ein paar Tagen nämlich bin ich in einer Spezialklinik in Wiesbaden gewesen, um die erste der zwei geplanten Operationen zu besprechen. Es geht darum, Metastasen aus der Lunge zu entfernen. Und die beiden Ärzte, mit denen ich mich dort unterhielt, stellten das ganze so dar, als ob die Operation, mal ganz salopp ausgedrückt, "ein Klacks" werden wird. Man habe schon viel schwieriger Fälle auf dem OP-Tisch gehabt.

Seitdem bin ich verhalten froh, aber auch verwirrt. Ich frage mich, warum man mich so lange gequält hat. Warum ich nicht sofort operiert wurde. Ich schwanke zwischen zweierlei Zweifel. Erstens frage ich mich, ob die Ärzte bisher immer die richtigen Entscheidungen für mich getroffen haben. Zweitens kann ich nicht recht glauben, dass dieses tonnenschwere Problem, das ich schon so lange mit mir herumschleppe, wirklich so verhältnismäßig leicht gelöst werden kann. Sicher ist jedenfalls, dass ich erst richtig aufatmen werde, wenn man diese Scheiße vollständig entfernt hat aus meinem Körper.

Montag, 26. November 2007

Thriller

Ach ja, was ich noch sagen wollte: seit Samstag halte ich mich wieder zu Hause auf. Ja, mein böses Blut hat mitgespielt. Man ließ mich gehen.

Nun lasse ich mich gehen und nehme so viel Kalorienreiches auf, wie es mein Magen verkraftet. Ich habe übel abgenommen und brauche doch noch ein gewisses Polster, um den letzten Zyklus zu überstehen.

Falls ich denn den nächsten Zyklus werde durchlaufen können. Ich würde mich ungeheuer freuen darüber. Ja, tatsächlich. Jeden Tropfen Gift hieße ich herzlich willkommen in meiner Blutbahn. Jeder ausgekotzten Mahlzeit winkte ich freundlich hinterher. Denn...

Es wird tatsächlich bald schon spannend. Morgen werde ich zur Uniklinik fahren, um dort ein CT machen zu lassen. Man will sehen, ob sie etwas gebracht haben, die Strapazen. Und nur dann wird man weitermachen, wie bisher. Am Mittwoch oder am Donnerstag wird man mir die Ergebnisse mitteilen. Ich werde sterben vor Todesangst. Dies täte ich jetzt schon, wäre meine Psyche nicht so ein mächtiger Verdrängungsapparat.

An Erholung ist natürlich trotzdem nicht zu denken. Alles ist nun überschattet. Die Seele ist eine dumme Pottsau, wie Max Goldt ganz richtig schrieb.